L. Lee McIntyre: "20th Century American Photographers in Focus"

L. Lee McIntyre, Portrait by Chris Culy, © Chris Culy

L. Lee McIntyre  © Chris Culy

 

Das Deutsch-Amerikanische-Institut (d.a.i.) in Tübingen erweist sich immer wieder als einer der Orte der Stadt, an dem regelmäßig das Thema Fotografie eine Rolle spielt, oftmals durch die Präsentation von Ausstellungen. Jetzt zur Abwechslung durch einen in Zusammenarbeit mit dem Kunsthistorischen Institut der Universität und der Kunsthalle Tübingen veranstalten Vortrag der in Tübingen lebenden Fotografin L. Lee McIntyre zum Thema „20th Century American Photographers in Focus“.

McIntyre leitete anhand von drei Fragen („Why do certain photos of landscapes linger in our memory? What makes a portrait of a person so compelling? How does a documentary photo communicate its story?“) durch einen Teil der Geschichte der Fotografie des 20. Jahrhunderts in den USA. Wobei sich ihr Fokus natürlich auf eine begrenzte Auswahl von FotografInnen richtete, nicht zuletzt, da sich in einer Stunde eben nicht wirklich alle Entwicklungen darstellen lassen. Trotzdem erstaunte vielleicht die Nichterwähnung einer Position wie der New Topographics.

 

Piktorialismus und Straight Photography

 

Dafür nahmen Piktorialismus und Straight Photography einen breiten Raum ein, wurden auch in den verschiedenen Genres Landschaft und Porträt ausführlich besprochen. Wie überhaupt der Schwerpunkt der Darstellung eher auf der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts lag, auch wenn Robert Mapplethorpe (allerdings nur mit seinen „Flowers“), Richard Avedon und Annie Leibovitz ebenfalls Erwähnung fanden.

Neben diesen wurden Clarence H. White, Alfred Stieglitz, Margaret Bourke-White, Ansel Adams, Imogen Cunningham, Berenice Abbott, Edward Steichen, Edward Sheriff Curtis, Walker Evans und Dorothea Lange vorgestellt. Der Vortrag war dabei wesentlich mehr als ein Namedropping. Neben der kompakten Schilderung der einzelnen Positionen und kurzen biografischen Angaben, wurde immer wieder auch auf Details eingegangen. Wichtig hierfür war die sehr gelungene visuelle Begleitung des Vortrags durch die Projektion von Schlüsselwerken der vorgestellten FotografInnen. Das ermöglichte eine nachvollziehbare, auch an Einzelheiten der Bilder orientierte und zumeist sehr präzise und anschauliche Argumentation. Meistens wurde neben dem großformatigen Bildbeispiel auch ein kleines Porträt der Fotografin oder des Fotografen gezeigt, dazu Bildtitel und Jahreszahl bzw. kurze Zitate.

 

"Alfred Stieglitz, Camera Work. The Complete Illustrations 1903-1917", Köln 1997, Taschen

 

Besonderen Raum nahmen die Ausführungen zur Fotografie „The Steerage“ von Alfred Stieglitz ein. Aber auch im Rahmen der Arbeit der FSA entstandene Aufnahmen, insbesondere Dorothea Langes „Migrant Mother“, wurden ausführlich besprochen. In den Bemerkungen zu den einzelnen Bildern spielten die vier Begriffe „Shape, Form, Contrast and Light“ immer wieder eine entscheidende Rolle. Aber auch auf (manchmal nur vermeintliche) Gegensätze wie den zwischen dokumentarischer und inszenierter Fotogafie wurde des Öfteren eingegangen.

 

"Dorothea Lange. Ein Leben für die Fotografie", Köln 1998, Könemann

 

"The Years of Bitterness and Pride. FSA Photographs 1935-1943", New York 1975, McGraw-Hill

 

Begrenzte Auswahl

 

Einzelne FotografInnen wie Edward Weston, Diane Arbus oder einen Vertreter der bereits erwähnten New Topographics habe ich ein bisschen vermisst, aber letztlich muss eine solch begrenzte Auswahl subjektiv sein. Und der Stringenz des Vortrags tat die getroffene Auswahl sicherlich gut. Dabei fand ich die Balance zwischen kunsthistorisch fundierter Analyse und ganz praktischen Beobachtungen gelungen, welche den Vortrag in meinen Augen für ein breites Publikum interessant werden ließ.

Zum Abschluss richtete L. Lee McIntyre den Fokus von den vorgestellten FotografInnen auf die eigene fotografische Tätigkeit. Und gab nebenbei auch ein paar Antworten auf die vierte Leitfrage des Vortrags, nämlich die nach den Folgerungen aus dem bisher Gezeigten für die eigene fotografische Praxis. Dabei stellte sie auch kurz die Aufgabenstellung des von ihr in den nächsten Monaten angebotenen Foto-Workshops vor.

 

Venice Cafe, 2011    © L. Lee McIntyre

 

 


 

 

Fakten:

 

Vortrag von L. Lee McIntyre „20th Century American Photographers in Focus“ am 05.02.2013 im Deutsch-Amerikanischen-Institut in Tübingen

 

Informationen zum in den nächsten Monaten angebotenen Foto-Workshop unter: http://www.dai-tuebingen.de/events/2013/02/from-seeing-to-image-taking-better-photos-with-any-camerapart-one.html

 

Website der Fotografin (zusammen mit ihrem Ehemann):  www.clfoto.net